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Ihr habt auf der Mayday in Dortmunder vor 30.000 Leuten aufgelegt. Wie bereitet Ihr Euch auf so einen Auftritt vor? Entscheidet ihr spontan welche Tracks ihr spielen werdet oder trefft ihr eine Vorauswahl an Stücken?
Wir machen uns vorher keinen Plan, was wir auflegen. Aber natürlich haben wir im Kopf, welche Platten wir auf jeden Fall spielen wollen. Alles andere hängt ganz individuell von den Umständen vor Ort ab. Z.B. was die DJs vorher aufgelegt haben und wie lange wir spielen.
Soeben kommt Ihr von Eurer Asien/Australien Tour zurück. Wie sind die Partys dort? Wird dort anders gefeiert als bei uns in Deutschland?
Prinzipiell sind die Leute beim Feiern gleich. Da gibt es keine großen Unterschiede. Australien war richtig cool von den Partys und prima Wetter. Dort ging gerade der Sommer vorbei und die Blätter fielen von den Bäumen.
Am 19. Mai findet zum zweiten Mal Klangfarben meets Euphonic statt. Was erwartet ihr von dieser Veranstaltung?
Wir freuen uns sehr darauf, da die Klangfarben-Jungs sehr nett sind und professionell arbeiten. Ich denke, die Veranstaltung wird genauso gut wie vor einem Jahr.
Woche für Woche seid ihr in einem anderen Land. Wo legt Ihr besonders gerne auf und wieso?
Ansich haben wir keine Favoriten. Spontan würde ich sagen, USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Polen oder Finnland machen immer besonders viel Spaß.
Allerdings die familiärste Atmosphäre haben wir bei unseren Euphonic-Partys in Berlin. Leider machen wir das viel zu selten.
Wie sieht bei euch ein normaler Arbeitstag aus? Gibt es das überhaupt?
Ob du es glaubst oder nicht. Wir arbeiten eigentlich von Montag bis Sonntag. Wir betreiben unser Plattenlabel Euphonic immer noch mit Enthusiasmus, wobei wir im Moment sehr viel Zeit in das 10 Jahre-Jubiläum stecken. Die dafür von Ronski Speed und uns gemixte Doppel-CD ist jetzt draußen. Es folgt bald eine weltweite 10 Jahres-Labeltour und dann veröffentlichen wir das Stoneface & Terminal Album im Juni. Und dann produzieren wir ja noch. Ideen dafür halten wir oft unterwegs auf dem Laptop fest. Daheim werden die Stücke dann fertig produziert. Na ja und an den Wochenenden sind wir meistens unterwegs.
In Holland und Polen ist Trance sehr beliebt. Was muss sich ändern damit Trance, bzw. elektronische Musik auch hier in Deutschland wieder salonfähig wird? Oder denkt ihr, dass sich die verschiedenen Stile der elektronischen Musik eher vermischen werden?
Wenn du auf die Lineups der Großveranstaltungen schaust, sind doch viele Trance-Acts dabei. Das muss nur wieder mehr in die Clubs kommen. Ich denke, es wird sich mit Sicherheit in der Zukunft stilistisch vieles mischen. Wenn man unsere aktuellen Produktionen anhört, erkennt man logischerweise den Trance-Background, quasi alles was mit Melodien und Harmonien zu tun hat, aber groovemäßig ist es nicht so schnell und es gibt Elektro-Einflüsse.Trotzdem knallen diese Sachen im Club! Vielleicht geht das ja in Zukunft noch mehr in die Richtung und Trance-Sounds werden wieder kompatibler für die kleinen Clubs und die Residents. Das würde ich sehr begrüßen.
Euer Label "Euphonic" ist eines der führenden Trance-Label in Deutschland. Was muss ein Track haben, damit er auf "Euphonic" veröffentlicht wird?
Der Track muss eigenständig sein, und es muss die Chemie zwischen Künstler und Label stimmen. Leider sind 98% der Demos entweder nur irgendwie nachgemachtes Zeug oder kompletter Müll. Ich finde viele junge Produzenten geben sich zu wenig Mühe mal rumzuprobieren. Wir brauchen schließlich keinen zweiten Ronski Speed auf Euphonic, sondern wir suchen nach Künstlern mit einer eigenen Note und mit Langzeitpotential, wie z.B. die Stoneface & Terminal-Jungs. Wir haben mit Euphonic immer auf Klasse und nie auf Masse gesetzt und das war rückblickend nicht falsch. Nicht die Anzahl der Veröffentlichungen, sondern die Qualität ist das, was noch Jahre später strahlt. Mit 10 Jahren sind wir quasi das ältestes der heute führenden Trance-Labels. Sogar Tiesto's Black Hole ist um einige Monate jünger.
Euer Debutalbum "Here we are now" wurde auf 3 Kontinenten veröffentlicht. Letztes Jahr erschien Euer zweites Album "Worldvibe" und topte den Erfolg des Vorgängers. Wo führt der Weg von Kyau & Albert noch hin, was steht als nächstes bei euch an?
Ja, "Worldvibe" ist um einiges erfolgreicher. Das Album hat aus dem Stand nicht nur mehr verkauft, sondern wurde auch in viel mehr Ländern veröffentlicht. So ist das Album zwischen San Francisco und Moskau und zwischen London und Sydney eigentlich überall erhältlich. Wenn wir irgendwo sind und einen Plattenladen sehen, schauen wir immer gleich nach. Sogar in der Neuseeländischen Hauptstadt Wellington oder in Hongkong stand unser Album im Plattenladen.
Und so etwas macht einen dann schon sehr stolz. Ein Freund war jetzt in New York und erzählte mir, er sei ganz überrascht gewesen, dass er unser Album dort bei Virgin-Megastore in der Abhörstation sah. Wir wussten das natürlich. Ich glaube, der Vorteil an unserer Musik ist, dass sie einfach global ist. Zudem machen wir keine Undergroundmusik, sondern unser Album kann man sich auch daheim oder im Auto anhören.Soeben ist unser Remix für die neue Single ?Always A Fool? fertig geworden und als nächstes werden wir an frischen Ideen basteln, damit wir 2008 unser drittes Album veröffentlichen können.
Seit Jahren wird prophezeit, dass Vinyl aussterben wird! Wie steht ihr dazu als Labeleigentümer von Euphonic und was bevorzugt Ihr beim auflegen?
Es stimmt, die Vinylverkäufe haben nachgelassen, weil CDs einfach handlicher und viel bequemer sind, wenn man viel reist. Daher legen wir fast nur noch mit CD auf. Trotzdem wird es immer Leute geben, die in Vinyl einen höheren Wert sehen, was ja auch der Fall ist und deshalb wird Vinyl so schnell nicht aussterben. Ich verstehe nicht, wenn Labels sagen, sie bringen kein Vinyl mehr raus, weil man nicht mehr viel Geld damit verdienen kann. Das ist schlecht für die Künstler und töricht gegenüber den Fans. Warum sollten wir kein Vinyl mehr rausbringen, wenn dort draußen noch 1000 oder mehr Leute sind, die liebend gern einen Euphonic-Track auf Schallplatte haben wollen?
Was hört Ihr Privat für Musik? Läuft bei Euch 24 Stunden elektronische Musik?
Das hängt ganz davon ab. Wenn man den ganzen Tag produziert hat, dann schaut man abends lieber mal fern und schont seine Ohren.Geschmacksmäßig sind wir sehr offen, wir hören uns viel unterschiedliche Musik an.
Was macht ihr in Eurer Freizeit, wenn ihr nicht gerade mal produziert, auflegt oder um die Welt tourt?
Kyau: Ich schmuse mit meinen Katzen. Im Ernst!
Albert: Wenn die Zeit da ist, mache ich Sport. Fahrrad fahren und bisschen Fitness.
In ferne Länder reisen, in Clubs auflegen, Spaß haben und feiern und dabei noch Geld verdienen! Gibt's eigentlich auch Nachteile?
Das ist eigentlich richtig, die Nachtteile sind im Privatleben. Man sieht leider sehr selten seine Familie, vernachlässigt seinen Freundeskreis und verpasst alle Geburtstage. Wir sind fast immer am Wochenende unterwegs, außer natürlich Heilig Abend oder wenn wichtige Produktionen anstehen oder bei runden Geburtstagen.
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